Herbert Heckmann, Geschichten vom Löffelchen

31. Juli 2010

Layout 1“Löffelchen hat große, abstehende Ohren. Seine Freunde behaupten, er könne bei Rückenwind nicht auf der Straße herumstehen, sonst würde ihn der Wind einfach umstoßen. Vielleicht haben sie damit sogar recht, denn Löffelchen, obwohl ein talentierter Esser, ist dürr wie eine Bohnenstange. “Das mit den Ohren muss anders werden”, sagte er. Aber es ändert sich nichts. Er wird einfach nicht größer, auch wenn ihm seine Mutter die Hosen stets eine Nummer zu groß kauft, in der Hoffnung, er würde hineinwachsen. Was sich jedoch fortwährend ändert, sind Löffelchens Einfälle. Wollte er gerade noch Geigenkünstler werden, scheint ihm wenig später Tiefseetaucher viel passender. Hatte er eben noch behauptet: “Ich werde nie heiraten, Junggesellen haben mehr vom Leben!”, ändert die Tatsache, dass Familie Reuter in seine Straße zieht, seine Einstellung grundlegend. Denn Reuters haben nicht nur einen Hund, sondern auch eine achtjährige Anna …” (Verlagstext)
Mit den Original-Illustrationen von Janosch und einem Nachwort.

Herbert Heckmann (1930 bis 1999) schrieb Erzählungen, Romane, Kinderbücher und wissenschaftliche Beiträge. Er war lange Zeit Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Herbert Heckmann, Geschichten vom Löffelchen / Erzählungen / Mit Bildern von Janosch / 180 Seiten, Leinen im Schuber / S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009 / 15,95 EUR (”Die Bücher mit dem blauen Band”) – ab 8 Jahren

Ein neuer Verlag: Secession

30. Juli 2010

Der Secession Verlag, Zürich, stellt sich vor (siehe auch den Link in der nebenstehenden Verlagsliste):

“Wieder und wieder ist es uns passiert: gute, also wirklich gute Texte berühren uns dort, wo wir das Leben aufspüren. Ob wir erinnert werden, ob Ahnungen in uns wach gerufen werden, ob durch Schönheit, tiefe ehrliche Gefühle, in der Gestalt der Tragik oder des hell auflachenden Humors oder durch grundlegende Gedanken – immer ist es der Mensch, der uns anruft und auf den wir reagieren. Und wir wissen auch: es gibt sie, zugleich und grundlegend, die ernste Gestalt des Marktes. Wir alle kennen sie. Secession Verlag für Literatur, das sind von daher Sie – und mit Ihnen wir: Christian Ruzicska, ehemaliger Gründer des Tropen Verlags und Susanne Schenzle, ehemalige Vertriebsleiterin aus dem Hause Ammann. Und jetzt im Herbst 2010: Unsere ersten vier Bücher, die ersten Bausteine unseres gemeinsamen Hauses! Vier wunderbare Stimmenl! Lauschen Sie dem Gesang!
Vermehren Sie ihn! Nicht nur wir werden es Ihnen danken!
Ihre Susanne Schenzle und Christian Ruzicska”

Wenn es so weit ist mit den ersten vier Büchern, werden Sie sie hier aufschlagen können. Darüber gilt es aber, die anderen Verlage nicht zu vergessen, die mir schon längere Zeit vertraut sind und immer wieder mit neuen wunderbaren Büchern auf sich aufmerksam machen, z. B. den Lilienfeld Verlag (Düsseldorf), die Friedenauer Presse (Berlin), die Achilla Presse (Budjadingen), den Verlag Langewiesche-Brandt (Ebenhausen bei München), den P. Kirchheim Verlag (München), den Libelle Verlag (Lengwil), den Weidle Verlag (Bonn), kookbooks (Idstein/Berlin), luxbooks (Wiesbaden), den Urs Engeler Verlag (Holderbank), den Wallstein Verlag (Göttingen), den Dörlemann Verlag (Zürich), die parasitenpresse (Köln), SuKuLTuR (Berlin), den Wieser Verlag (Klagenfurt), den Luftschacht Verlag (Wien), den Verlag Klaus Wagenbach (Berlin), den Moritz Verlag (Frankfurt am Main), den Peter Hammer Verlag (Wuppertal), den Arco Verlag (Wuppertal), den Rimbaud Verlag (Aachen)  und einige andere mehr.

Silke Scheuermann, Emma James und die Zukunft der Schmetterlinge

30. Juli 2010

“Die elfjährige Emma James kann in die Zukunft sehen: nicht oft und nicht besonders weit, aber immerhin reicht es, um vorsorglich einen Regenschirm einzupacken, wenn sie einen Wolkenbruch voraussieht. Aber auch ohne diese Gabe ist das Leben für Emma James aufregend genug. Da ist ihr bester Freund Paul, der gegen Bezahlung Hunde ausführt und einen davon zum Theaterstar machen will. Da ist die Wahrsagerin Karin Korall, die junge Frauen in Liebesdingen berät. Da sind ihre Eltern, die mit Emma James nicht über die Krankheit ihres Bruders sprechen wollen. Und Emma James hat einen Traum, der das Schlimmste befürchten lässt. Steht die Zukunft eigentlich fest oder kann man sie vielleicht doch beeinflussen?” (Verlagstext)

Silke Scheuermann, Emma James und die Zukunft der Schmetterlinge / 249 Seiten, gebunden, mit Vignetten von Franziska Harvey / S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010 / 17,95 EUR (aus der Reihe “Die Bücher mit dem blauen Band”) – ab 10 Jahren

Von Silke Scheuermann außerdem am Lager die Gedichtbände: Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen (Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005 [3. Auflage]), Der zärtlichste Punkt im All (Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005 [2. Auflage]) und Über Nacht ist es Winter (Schöffling Verlag, Frankfurt am Main 2007 [1. Auflage]). – Lieferbar sind zudem der Erzählungsband Reiche Mädchen (gebunden und als Taschenbuch) sowie der Roman Die Stunde zwischen Hund und Wolf (Taschenbuch). Im August dieses Jahres gibt Scheuermann bei Schöffling Liebesgedichte von Helga M. Novak heraus.

Fritz Mauthner, Der letzte Tod des Gautama Buddha

29. Juli 2010

“Fritz Mauthner wählt eine wie von fern her raunende Erzählstimme, zugleich innig und mit Witz, für seinen Bericht von der letzten Reise des Gautama Buddha zu jenem Salbaum, dessen Blüten sich über seinem Tod öffnen.
Erzählt wird von Begegnungen, Gesprächen und Festlichkeiten, in Tagen von innerer Dramatik, die an letzte Fragen menschlichen Denkens, Wünschens und Verzichts rühren. Auch: wie Gautama Buddha die beiden letzten Versuchungen übersteht, die des Verzichts auf den Tod und die, ein Gott zu werden.
Mauthner begleitet einen Erleuchteten an die Klippe, wo er erkennt, dass seine Jünger eine Religion mit all ihren Götzenbildern und entlastenden Ordnungen wollen.
Ein geistiger Führer, der die Vergeblichkeit seiner Lehre resignierend akzeptiert. Und der sich seinerseits achtsam und meditativ in einer letzten Freiheit wegbewegt, hin zu einer Sprache, die nicht mehr auf Verständigung aus ist. Eine Radikalisierung in der Einsamkeit eines Sterbenden.” (Verlagstext)

Fritz Mauthner (1849–1923) stammte aus Böhmen, seine Jugend verbrachte er in Prag. Er brach ein juristisches Studium ab, dafür führten ihn seine weit ausgreifenden autodidaktischen Studien früh zu einem wirkungsmächtigen Physiker und Denker der Epoche: Ernst Mach. Berühmt wurde Mauthner von Berlin aus, wo er mit Frau und Kindern lebte, vor allem durch Parodien auf zeitgenössische Literaten (den Bestseller Nach berühmten Mustern) und als Theaterkritiker.
Nach Jahren in Freiburg i. Br. zog Mauthner mit seiner zweiten Frau Hedwig Straub 1909 nach Meersburg am Bodensee.
Ein Wissenschaftler jenseits der Universitäten, unkonventionell belesen, sich zwischen viele Stühle seiner Zeit setzend, und folglich seiner Zeit voraus: z. B. mit seiner Forderung nach Fortweisung der christlichen Theologen aus der Universität oder als Kritiker eines chauvinistischen Zionismus. Die Langzeitwirkung seines Werks ist noch lange nicht zu Ende.
Seine kritische Eigenständigkeit macht seine Hauptwerke (jeweils mehr als 2000 geschärfte Seiten) auch nach hundert Jahren noch lesenswert und inspirierend: vor allem seine Beiträge zu einer Kritik der Sprache (aus denen sich der fast erblindete James Joyce 1930 von Samuel Beckett vorlesen ließ) und Der Atheismus und seine Geschichte im Abendland, in dem Mauthner noch in seinem letzten Lebensjahr auf den Begriff brachte, was er an Buddha bewunderte: “Buddha kam aus ohne Religion, ohne Gott und Himmel, lehrte die Erlösung ohne Mittler, eine Erlösung durch Entsagen und Entwollen, durch Auslöschen des Lebensfeuers, durch Nirwana.”
Als Fritz Mauthner 1923 starb, überschrieb die Neue Zürcher Zeitung ihren ganzseitigen Nachruf: “Der Buddha vom Bodensee”. Das waren nicht nur Blumen für einen (streitbaren) Weisen. Es war eine Anspielung auf die philosophische Erzählung vom letzten Tod des Gautama Buddha, geschrieben in Meersburg. Mit dieser Legende hatte sich Mauthner 1913, zwischen seinen wissenschaftlichen Großwerken zur Sprachkritik und zum Atheismus, noch einmal dem Erzählen zugewandt.
Dieser eindrückliche, leicht daherkommende Text ist seit fast 90 Jahren nicht mehr gedruckt worden.
Voilà.” (Verlagstext)

Fritz Mauthner, Der letzte Tod des Gautama Buddha / Eine Erzählung / Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ludger Lütkehaus / 128 Seiten, gebunden / Libelle Verlag, Lengwil / 16,80 EUR – erscheint im September

Roberto Bazlen, Der Kapitän

28. Juli 2010

“Fail. Fail again. Fail better.” – Samuel Beckett

“Der Kapitän lebt auf, wenn er nach Hafenaufenthalten und Enttäuschungen zu Lande, wieder auf hoher See, seinen Plänen nachhängen und neue Routen ersinnen kann. Doch vielleicht ist sein Lebensziel der Schiffbruch: “… ein halbes Leben mit Leid und Haß und Traum und Arbeit und Stolz, was muß man alles durchmachen, um es zu einem schönen, plausiblen, durchgearbeiteten, gepflegten Schiffbruch zu bringen?”
‘Bobi’ Bazlen, legendärer Bücheraufspürer und Dichterfreund, verfaßte – für sich selbst – eine faszinierende Parabel über Kulturmenschen in einem “rettungslosen Europa”, inmitten der “grauen Fortschrittsbewegung” und unter der “Herrschaft der Steuermänner”.
Ein kenntnisreicher und einfühlsamer Essay von Ilse Pollack zeichnet Leben und Wirken ‘Bobi’ Bazlens nach.
Der Kapitän wurde von Bazlen in deutscher Sprache verfaßt und erscheint im Wieser Verlag in Erstausgabe.” (Verlagstext)

Ein phantastisches Buch, aus dem ich in einem fort zitieren könnte. Aber ich beschränke mich auf die Empfehlung: Lesen Sie’s! Es ist ja auch noch lieferbar. Und dann stellen Sie es in Ihr Regal oder legen es neben Ihre Koje und bestellen ein weiteres Exemplar, und das verschenken Sie an den Menschen, von dem Sie glauben, daß es ihm, ihr, gefallen würde. Diese Leute muß es geben. grabo

Roberto Bazlen, Der Kapitän / Romanfragment / Mit einem Essay von Ilse Pollack über Bobi Bazlen: “Das Schweigen der Sirenen” / 228 Seiten, gebunden, Lesebändchen / Wieser Verlag, Klagenfurt und Salzburg 1993 / 13,80 EUR

Zum Autor:

Roberto ‘Bobi’ Bazlen, geboren 1902 in Triest. Vater Deutscher, Mutter Italienerin. Von Jugend an ein Leben mit Dichtern und Büchern. Freundschaften mit Italo Svevo, Eugenio Montale, Umberto Saba, Sergio Solmi und anderen. Entdecker und Förderer unbekannter, talentierter und später klassisch-moderner Autoren und Werke. Gutachter mitteleuropäischer Literatur in Italien. Ab 1939 in Rom, 1965 Umzug nach Mailand, wo er bald darauf stirbt. Zu Lebzeiten keine Veröffentlichungen. Briefe an Verleger und Dichterfreunde. Nach Bazlens Tod erschienen Romanfragmente, Notizen und Briefe (Edizioni Adelphi, Mailand 1968-1973).

Die ausführlichere Biographie, die sich auf den Internetseiten des Adelphi Verlags findet, zu dessen Miterfindern Bazlen gehörte (siehe www.adelphi.it) – ich werde sie später einmal übersetzen, weise nur auf die besondere Lebensweise Bazlens hin, die er früh für sich fand, nämlich jeden Tag einige Stunden lang, auf dem Bett liegend, von Kissen gestützt, zu lesen (und zu rauchen) -:

“Roberto Bazlen nacque a Trieste nel 1902 da padre tedesco e madre italiana. Il tedesco fu la sua lingua ancor più dell’italiano. Precocissimo, si inventò una forma di vita che non avrebbe mai abbandonato: passare ogni giorno un certo numero di ore a leggere, disteso su un letto con qualche cuscino. A Trieste, frequentò Saba e Svevo. E intanto diventava amico di Eugenio Montale, Giacomo Debenedetti, Sergio Solmi. Fu lui il primo a cogliere il genio che sino allora nessuno aveva riconosciuto nei romanzi di Svevo: ne scrisse con entusiasmo a Montale – e così cominciò la fortuna di Svevo. Dopo qualche vano tentativo di dedicarsi a un’attività pratica, a Genova, a Trieste stessa, a Milano (dove rimase per qualche anno), Bazlen approdò a Roma all’inizio del 1939, avendo nel frattempo dato fondo, deliberatamente, al patrimonio ereditato dalla famiglia. A Roma, in una stanza mobiliata di via Margutta, sarebbe vissuto per ventisei anni, fino a due mesi prima della morte, nel 1965, a Milano. La sua attività di consigliere editoriale, che prima avveniva per singole segnalazioni a singole persone del mondo editoriale, prese una forma più articolata e precisa a partire dagli ultimi anni della guerra: Adriano Olivetti, di cui era amico da tempo, gli affidò infatti il compito di preparare con lui il programma di una casa editrice nuova che fosse in grado di affermarsi dopo la caduta del fascismo, progetto molto ambizioso che poi non andò in porto, mentre i titoli proposti da Bazlen solo in minima misura rifluirono nel programma delle Edizioni di Comunità. Negli anni immediatamente successivi alla guerra Bazlen continuò a consigliare libri a varie case editrici, come Bompiani e Astrolabio, ma il rapporto più duraturo fu quello con Einaudi, negli anni Cinquanta. Si può dire, comunque, che Bazlen soltanto con l’Adelphi abbia avuto modo di tracciare un programma editoriale che pienamente gli corrispondeva – e che poi si è attuato ben al di là della sua morte.”

Daniil Charms, Erstens und Zweitens

24. Juli 2010

“Daniil Charms’ Kindergeschichte Erstens und Zweitens ist hier aufs Neue zu entdecken – übersetzt von Peter Urban, bebildert von einer Wuppertaler Schulklasse. Ein modernes Märchen, in dem die Grenzen von Wirklichkeit und Phantasie verschmelzen. Ein Lese- und Bilderbuch in einem. Von Kindern für Kinder. Das Nachwort gibt – verständlich auch für ältere Kinder und Jugendliche – Einblicke in die bewegte Lebensgeschichte des Autors.” (Verlagstext)

Daniil Charms / Erstens und Zweitens / Aus dem Russischen von Peter Urban / Illustriert von Kindern der Grundschule Marienstraße Wuppertal-Elberfeld. Konzept und künstlerische Begleitung von Sabine Comes / Nachwort von Christoph Haacker / 40 Seiten, broschiert / Arco Verlag, Wuppertal 2008 (2. Auflage) / 11,00 EUR

Hier endet die Vorstellung der vier bisher erschienenen Bücher der Reihe Arco Orca. Als nächstes folgt ein Hinweis auf das Buch Der Kapitän von Roberto Bazlen (1902-1965), auf das ich halbwegs zufällig stieß, denn mir war nicht bekannt, daß überhaupt etwas von ihm auf Deutsch lieferbar sei. Bazlen hat zu Lebzeiten nichts veröffentlicht. Wahrscheinlich habe ich während des Studiums zum ersten Mal von ihm gehört; nahegebracht wurde mir seine faszinierende Persönlichkeit aber vor allem durch den – leider nicht ins Deutsche übersetzten – Roman Lo stadio di Wimbledon von Daniele Del Giudice. In diesem elektrisierenden Buch begibt sich der Erzähler auf die Spur Bazlens (der es darauf anlegte, keine Spuren zu hinterlassen), besucht in England eine alte Dame, die ihn noch kannte, und versucht zu ergründen, warum er ein Schriftsteller ohne Buch blieb. Geschrieben hat er aber doch – für sich selbst. urmel

Ruth Rewald, Janko, der Junge aus Mexiko

23. Juli 2010

Janko, der Junge aus Mexiko

“1932 war die Berliner jüdische Schriftstellerin Ruth Rewald noch begeistert mit Erich Kästner verglichen worden. Aber 1933 war das überholt. Die Nazis waren an der Macht, und die Autorin flüchtete nach Paris. In Frankreich erschien 1934 ihr Roman Janko, der Junge aus Mexiko. Ruth Rewald und ihre siebenjährige Tochter wurden in Auschwitz ermordet.

Zum Buch:
In eine Schulklasse platzt Janko. Der ist in Mexiko von zuhause ausgerissen und abenteuerlich über New York in eine deutsche Kleinstadt gelangt. Er ist fremd und wird gleich als der “Indianer” verspottet. Allmählich entdecken seine Mitschüler aber, dass er viel zu bieten hat. So wird er zu ihrem Freund. Aber Unheil braut sich zusammen. In Mexiko und den USA zankt man sich aus politischen Gründen um den Staatenlosen. Und in Deutschland? Da soll er auf einmal nicht mehr bleiben dürfen. Janko erträgt seine Lage nicht – und verschwindet, um sich ein echtes Zuhause zu suchen.” (Verlagstext)

Ruth Rewald, Janko, der Junge aus Mexiko / Roman / Herausgegeben und mit einem Nachwort von Dirk Krüger / Illustriert von Paul Urban /
148 Seiten, gebunden, Fadenheftung / Arco Verlag, Wuppertal 2007 / 14,00 EUR (Reihe Arco Orca, Bd. 2)

Morgen: Daniil Charms.

Erika Mann, Zehn jagen Mr. X

22. Juli 2010

“Als Erika Manns bester Roman 1990 in Ostberlin endlich erstmals auf Deutsch herauskam, verschwanden die 10.000 Exemplare im Nirgendwo wie die DDR – wahrscheinlich landete ein Großteil druckfrisch im Altpapier. Bei seinem Ersterscheinen 1942 in New York war an eine deutsche Ausgabe nicht zu denken: Erika Mann wirbelte, ausgebürgert, auch in den USA unermüdlich gegen die Nazis, denen sie ein Dorn im Auge war – was die emigrierte Autorin, Journalistin und gelernte Schauspielerin nicht eben wenig freute.
Nach dem Zweiten Weltkrieg interessierten sich in Deutschland nur wenige für sie und niemand für ihr Buch, einen atemberaubenden Jugendroman nach dem Muster von Erich Kästners weitaus harmloseren Klassiker Emil und die Detektive. Nur ihre in den dreißiger Jahren erschienenen Kinderbücher Stoffel fliegt übers Meer, Muck, der Zauberonkel und eine neue Jugendbuchserie wurden in den fünfziger Jahren mit Erfolg neu aufgelegt. Dennoch wurde Erika Mann kaum als Schriftstellerin wahrgenommen, sondern vor allem als Tochter und einflußreiche Beraterin Thomas Manns – eine Rolle, die sie sich, nach dem Ende der Hitlerdiktatur, zur neuen Lebensaufgabe machte.
Mit der Exilforschung einerseits, dem gestiegenen Interesse an schreibenden Frauen und an der Schriftstellerfamilie Mann andererseits, rückte auch Erika Mann und ihr umfangreiches Werk wieder ins Blickfeld. Zu ihrem 100. Geburtstag 2005 kamen fast alle ihre Bücher wieder in den Buchhandel. Nur Zehn jagen Mr. X blieb dabei erneut auf der Strecke. Mit der Neuveröffentlichung in der Reihe “Arco Orca” kann Erika Manns vergessener Roman jetzt endlich gelesen werden.” (Verlagstext)

“Spannend …  glänzend erzählt, für Kinder und für Erwachsene auch.” – Golo Mann

“Kinder-Spionage-Krimi… spannend… mit der für Erika Mann typischen Erzählfreude.” – Ute Kröger

Zum Inhalt:
“Kalifornien ist ein paradiesisches Stück Erde. Das ist auch schon 1942 so… Doch in jenem Sommer passieren im Städtchen El Peso an der Westküste eine ganze Menge Dinge, die ein bisschen anders sind als sonst. Es ist Krieg, aber der Krieg ist zum Glück noch ziemlich weit weg: In Europa, Asien, auf Hawaii oder draußen im Pazifik. Nur an der neuen Rüstungsfabrik merkt man schon, dass auch die Amerikaner jetzt gegen Hitler und gegen Japan kämpfen.
Das ist aber trotzdem eine Nebensache, wenn es um die “Neue Welt” geht. Das ist die Schule von Rombout, Björn, Tschuschu, Nelson, Ivan, Betsy, Madeleine, Chris und den anderen. Zugegeben, da sind ein paar merkwürdige Namen bei. Das liegt an der komischen Mischung an der “Neuen Welt”: Hier wohnen und lernen Kinder aus allen möglichen Ländern. Sie sind Flüchtlinge, die meisten auf der Flucht vor Hitler und seinen Verbündeten. Aus Holland, Norwegen, Rußland, Frankreich, England und anderswo. Später lernen sie auch ausgerechnet einen Deutschen, Franz, kennen, der ja auf den ersten Blick eigentlich nicht so ganz dazu paßt, aber das ist eine lange Geschichte.
Die “Neue Welt” ist noch aus einem anderen Grund eine besondere Schule, nämlich ein “Kinderstaat, von Kindern organisiert, regiert und in Gang gehalten”. Hier haben also die Kinder das Sagen, jedenfalls ziemlich viel zu sagen. Die “Vereinten Kinder” der “Neuen Welt”, aus Staaten der “Vereinten Nationen”, sind froh, hier zu sein. Sie erzählen sich ihre Geschichten: wo ihre Eltern sind, warum sie von Zuhause flüchten mussten, was sie im Krieg erlebt haben und vieles mehr. Jetzt fühlen sie sich sicher. Doch der Frieden trügt. Der geheimnisvolle Mr. X  soll den Terror in die Vereinigten Staaten, mitten unter sie, tragen. Die jugendliche “Gang of Ten” kommt ihm auf die Spur – und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.
Fast immer mit dabei: “Depesche”, Reporterin einer großen Zeitung aus Washington und bald die beste Freundin der Gang.” (Verlagstext)

Erika Mann, Zehn jagen Mr. X / Roman / Aus dem Englischen (USA) von Elga Abramowitz / Mit  Nachworten von Golo Mann und  Christoph Haacker / Herausgegeben von Christoph Haacker / 250 Seiten, illustriert, gebunden, Fadenheftung / Arco Verlag, Wuppertal 2010 / 16,00 EUR (Reihe Arco Orca, Band 3)

Morgen über Ruth Rewald, Janko, der Junge aus Mexiko

Eduard Bass, Klapperzahns Wunderelf

21. Juli 2010

Getreu dem Monnier-Beach-Motto “Man soll sich aus dem Lesekuchen immer die Rosinen suchen”, werde ich ab heute einige Bücher des Arco Verlags vorstellen, die demnächst das Programm dieser Buchhandlung bereichern werden. Den Anfang macht – tatatatá -:

Eduard Bass, Klapperzahns Wunderelf
Fußballroman
Eine Geschichte für kleine und große Jungen
Illustriert von Josef Čapek. Umschlag von Walter Trier
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Stefan Zwicker
172 Seiten, gebunden
Arco Verlag, Wuppertal 2008 (2. Auflage)
16,00 EUR (Reihe Arco Orca, Bd. 1)

“Mit Klapperzahns Wunderelf veröffentlichte der Prager Tausendsassa Eduard Bass – Kabarettsänger, Rezitator, Erzähler und Journalist – 1922 den vielleicht besten Fußballroman aller Zeiten. Klapperzahns Wunderelf ist Fußballmärchen, Roman über Sport in der Moderne und phantastische Erzählung zugleich – ein Buch für Kinder und Erwachsene.
Der alte Klapperzahn macht aus der Not eine Tugend: Aus seinen elf Söhnen formt er eine Fußballmannschaft. Nach jahrelangem Training steigt das erste Spiel gegen einen Prager Vorortklub. Schon bald warten andere Gegner: die legendäre Meisterelf von Slavia Prag, Berlin, Mailand und der FC Barcelona, große Spiele in aller Welt. Klapperzahns Wunderelf eilt von Erfolg zu Erfolg – bis sie eines Tages erstmals bezwungen wird. Von einem kleinen Jungen, dem ein Lederball gehört. Da beschließen die elf berühmten Brüder, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Aber plötzlich winkt ein letztes großes Spiel: in Sydney, Australien…” (Verlagstext)

“Das Schöne an diesem Buch: Jeder kann es lesen, alle werden es lieben. Kinder und Erwachsene, Mädchen und Jungen, Amateure, Weltmeister, und selbst diejenigen, die keinen Fußball mögen.” - Berliner Zeitung

“Fußballbücher gibt es viel zu viele, nur wenige davon schaffen es in das Stadium der Unsterblichkeit. Eduard Bass’ Klapperzahns Wunderelf ist eines davon.” – Rund. Das Fußballmagazin

Morgen folgt ein Hinweis auf Erika Mann, Zehn jagen Mr. X

Svenja Leiber, Schipino

15. Juli 2010

“Schipino: vier Datschen in der Nähe einer maroden Kolchose. Eine Handvoll Menschen, ein Klavier und ein Gasherd auf einem Hügel mitten im Wald, umringt von Sümpfen und Seen.
Jan Riba ist aus seiner Welt gefallen und hier gelandet. Er hat sein Büro in Deutschland abgeschlossen und ist in den Zug nach Moskau gestiegen, zu seinem Freund Viktor, der ihm den russischen Sommer zeigen will. Zusammen sind sie nach Schipino gekommen, haben sich auf dem Heuboden eingerichtet und sich in das Leben der anderen gefügt.
Da sind Wassili, der launische Forscher, schön wie eine Frau; der glatzköpfige Pawel und die dünne Anna. Tolik mit dem Klavier. Darja, die in ihrem Kummer Kleider näht, und Lilja, die wie ein flüchtiger Gast in den Holzhäusern ein und aus geht.
Und ganz Schipino wartet auf Mascha, deren Schicksal untrennbar mit diesem Ort und seinem Sterben verknüpft scheint.
Svenja Leiber ist eine Erzählkünstlerin, die Landschaften, Stimmungen und Situationen aus wenigen Worten entstehen lässt und ihren Figuren tief ins Herz schaut. Schipino ist ein Roman von geradezu magischer Sprachkraft über die Suche nach Atem in einer atemlosen Zeit.” (Verlagstext)

Svenja Leiber ist vom Ammann Verlag zu Schöffling gekommen, wo auch ihr erstes Buch lieferbar ist, der Erzählungsband Büchsenlicht (2005), über den Andreas Nentwich im Börsenblatt urteilte: “Ein Debüt, lichthell von Sprach- und Mutterwitz, das an Herz und Nieren geht.”

Svenja Leiber, Schipino / Roman / 208 Seiten, gebunden / Schöffling Verlag, Frankfurt am Main 2010 / 18,95 EUR – erscheint Anfang August

Svenja Leiber, Büchsenlicht / Erzählungen / 160 Seiten, gebunden / 18,95 EUR