Ulrich Horstmann, Die Aufgabe der Literatur

9. Februar 2010

“Schriftsteller wollen immer schreiben, denkt man. Doch es gibt Ausnahmen: Dichter, die das Schreiben aufgegeben haben. Warum? Und wie kommen sie damit zurecht? Hölderlin z. B. verlor den Verstand, Philip Larkin verglich die Leere im Schädel mit der Glatze darauf und ging zur Tagesordnung über.
Ulrich Horstmann hat sich die Strategien der beherzten Entdramatisierung und der gewitzten Katastrophenbewältigung angesehen und schildert pointiert, wie Autoren von Swinburne, Rimbaud, Walser, Beckett, Koeppen bis zu Hildesheimer ausprobierten, ob und wie sich ganz im Stillen leben lässt.” (Verlagstext)

Ulrich Horstmann ist Professor für Anglistik und Amerikanistik an der Universität Gießen. Er hat zahlreiche wissenschaftliche und literarische Bücher veröffentlicht und wurde 1988 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet.

Ulrich Horstmann, Die Aufgabe der Literatur oder Wie Schriftsteller lernten, das Verstummen zu überleben / 270 Seiten, broschiert / Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 2009 / 12,95 EUR

Iela und Enzo Mari, Der Apfel und der Schmetterling

8. Februar 2010

“Genau vor 40 Jahren (1969) erschien La mela e la farfalla in Italien und vor 38 Jahren erhielt es den Deutschen Jugendbuchpreis als bestes Bilderbuch des Jahres. Nun kommt dieser Klassiker neu heraus und man ist verblüfft, wie frisch und modern er weiterhin ist! Ganz ohne Graphikprogramm, allein mit dem Radiograph gezeichnet, zeigt er den Weg einer Raupe durch den Apfel, das Verpuppen und schließlich das Schlüpfen eines Schmetterlings, der wiederum auf einer Apfelblüte sein Ei ablegt. Damit ist der Kreislauf des Lebens geschlossen. Ein kleines großes Bilderbuch, das Kinder zum genauen Hinschauen und zum Überlegen bringt und schließlich zum Begreifen komplexer Vorgänge in der Natur. Und das alles mit Illustrationen, die durch ihre Klarheit faszinieren.” (Verlagstext)

“Anhand von Iela Maris Bildern lässt sich lernen, wie man Bilder liest.” – Hubert Spiegel, FAZ

“Das ist Minimal Art im Bilderbuch, Minimal Art mit maximalem Informationspotential.” – Hans ten Doornkaat, DIE ZEIT

Iela & Enzo Mari, Der Apfel und der Schmetterling / Textloses Bilderbuch / 44 Seiten, Pappband, Fadenheftung / Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2009 / 12,90 EUR

Außerdem lieferbar: Iela Mari, Ein Baum geht durch das Jahr / Textloses Bilderbuch / 40 Seiten, Pappband, Fadenheftung / Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2007 (seither bereits in 3. Auflage)

Dein Engel – Gedichte, mit Holzschnitten von Andreas Felger

4. Februar 2010

“Engel handeln, sie können uns in den Arm greifen und sie können uns in den Arm nehmen, ihr Wort kann Kraft geben und Urteil sein, sie können – wie in dem Gedicht von Albrecht Goes (”Lautespielender Engel”) einen Lobgesang beginnen, der uns auffordert, einzustimmen, sie können, wie die guten Mächte in Dietrich Bonhoeffers Gedicht, Gottes Gegenwart selbst in der Ahnung des Todes bedeuten, und sie können uns, wie Eva Zeller zeigt (”Jakobs Kampf mit dem Engel”), mit Leiden zeichnen, die nicht Niederlage bedeuten, sondern Leben mit Gott.
Andreas Felgers Holzschnitte sagen uns gerade da, wo sie die Erkennbarkeit bis an die Grenze der Negation zurücknehmen, daß Gottes Boten nicht unseren Erwartungen und Wunschvorstellungen entsprechen, daß sie von uns nicht zu berechnen sind. Wichtig bleibt, und das ist die Aussage der Holzschnitte ebenso wie der Gedichte dieses Buchs, daß wir mit ihnen rechnen.” (Carsten Peter Thiede)

Dein Engel / Gedichte / Holzschnitte von Andreas Felger / Herausgegeben von Oliver Kohler, mit einem Geleitwort von Carsten Peter Thiede / 64 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag / Präsenz Verlag, Hünfelden 2003 / 14,90 Euro

Der Band enthält Gedichte u. a. von Detlev Block, Elisabeth Borchers, Albrecht Goes, Manfred Hausmann, Jochen Klepper, Else Lasker-Schüler, Christine Lavant, Jannis Ritsos, Reinhold Schneider, Rudolf Alexander Schröder und Giuseppe Ungaretti.

Nun will uns, was das Jahr gebracht

28. Januar 2010

In der Buchhandlung fanden sich einige von Rosemarie Reul handgeschriebene Gedichte. Dieses stammt von Stephan Gräffshagen. Meinolf Reul

Nun will uns, was das Jahr gebracht, / am späten Tag verlassen. / Uns bleibt der Sterne Übermacht, / die Spur des Weges durch die Nacht / und Licht in stillen Gassen. / Die Bitte bleibt, dass Gott nicht schweigt / wenn andere Stimmen schwinden, / dass immer noch ein Weg sich zeigt / und dass, wenn sich der Abend neigt, / wir stets nach Hause finden.

Nun will uns, was das Jahr gebracht

Klaus Wagenbach, Die Freiheit des Verlegers

26. Januar 2010

“Klaus Wagenbach ist einer der letzten aus einer Generation von unabhängigen, eigenwilligen und leidenschaftlichen Verlegern; ein linker, aber undogmatischer Kopf, der nicht vor den Konsequenzen politischen Handelns zurückschreckt; und ein früher und bis heute unerschütterlicher Liebhaber Italiens.
Außerdem: ein heiterer Geschichtenerzähler, ein eifriger Vorwortschreiber, ein freudig erwarteter Festredner, aber auch einer, der gern widerspricht, wenn die öffentliche Meinung jemanden moralisch und politisch gar zu korrekt schlachten will.
Der Band sammelt Texte Klaus Wagenbachs über Italien (einschließlich Kunstgeschichte), Politik, das Leben und die Zukunft der Bücher und über einzelne Autoren. Ein Großteil der Texte ist bisher nicht veröffentlicht, wichtige Zeitdokumente wie die Grabrede für Ulrike Meinhof wurden jedoch ebenfalls aufgenommen.
Und schließlich erst jüngst entstandene biographische Geschichten: Vom gegen die Nazis rebellierenden Großvater, der reformbewegten Mutter, dem Vater, der nur Latein, Griechisch und Hebräisch konnte; darüber, wer und wie nach dem Krieg die Demokratie aufbaute, warum Kollektive träumen und Frauen besser kommunizieren können.” (Verlagstext)

Die Freiheit des Verlegers


Die Freiheit des Verlegers
Erinnerungen, Festreden, Seitenhiebe
Geburtstagsformat
Herausgegeben von Susanne Schüssler
320 Seiten, gebunden mit Schildchen

19,90 EUR – erscheint im Juni

Leopold Kohr, Das akademische Wirtshaus

18. Januar 2010

“Ein “akademisches Wirtshaus” ist nach seinem Erfinder Leopold Kohr ein herrschaftsfreier Raum, in dem gleichberechtigte Bürger außerhalb der engen Mauern der Massenuniversitäten Diskussionen auf akademischem Niveau führen. Das gleichnamige Buch, The Academic Inn, erschien 1993 als Sammlung von Texten, die Kohr in den Jahrzehnten zuvor publiziert hatte. Er widmet sich in diesem Buch den zentralen Aufgaben der Universitäten, geht auf deren ideale Größe und Verwaltung ein, hinterfragt die Ideen der akademischen Freiheit, universitärer Demokratie, den Stellenwert der Forschung an den Universitäten und vieles mehr. Kohr will Missstände im universitären Bildungssystem enttarnen; Machtspiele und Missmanagement, Scheindemokratie und pompöse Inszenierungen. So enttarnt er kühn vorgetragenen Unsinn ebenso wie er praktische Tipps gibt, etwa “wie man eine gute Note erhält” oder “wie man mit einer schlechten Note umgeht”. Das Ganze geschieht in einem für Leopold Kohr typischen Stil: lebendig, anregend, verschmitzt und einleuchtend.” (Verlagstext)

Leopold Kohr, Das akademische Wirtshaus / Aus dem Englischen (USA) von Andreas Wirthensohn / ca. 220 Seiten, gebunden / Otto Müller Verlag, Salzburg 2010 / ca. 20,00 EUR – erscheint im März

Neu (2010): Bastien Vivès, Der Geschmack von Chlor

30. Dezember 2009

“Schwimmen! Und das regelmäßig! Der dringliche Rat seines Physiotherapeuten stößt beim schmalbrüstigen Protagonisten von Bastien Vivès’ Der Geschmack von Chlor auf wenig Gegenliebe. Bis der junge Mann im Hallenbad die Bekanntschaft einer echten Athletin macht, die sich seiner ungelenken Schwimmversuche annimmt. Der Widerwillen weicht bald einer Vorfreude auf den Termin und einer vagen Hoffnung…

Berührend und mit bemerkenswert präziser Beobachtungsgabe erzählt Bastien Vivès  von der zufälligen Begegnung zweier Menschen. Er zeichnet, als bewege er sich selbst mit seinen Figuren im Bassin – den Geschmack von Chlor auf der Zunge.” (Verlagstext)

“Wäre Comiczeichnen olympische Disziplin, dann gewänne Vivès für Le goût du chlore mit einigen Längen Abstand eine Goldmedaille.” – Roger Aeschbacher, FAZ

Bastien Vivès, Der Geschmack von Chlor / Graphic Novel / 144 Seiten, farbig, Klappenbroschur / Reprodukt, Berlin 2010 / 18,00 EUR. Erscheint am 1. Juni zum Comic-Salon Erlangen.

Siobhan Dowd, Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort

29. Dezember 2009

“Nordirland, 1981. Es ist Sommer und Fergus küsst Cora, das Mädchen aus Dublin. Und er fragt sich: Warum tut die ganze Welt eigentlich nicht genau dieses, immerzu? Es ist Sommer und Fergus lebt in Drumleash, Nordirland. Es ist der Sommer der Unruhen, des Hasses, der Gewalt, des Hungerstreiks. Und Fergus ist hier zu Hause.” (Verlagstext)

Ein Ausschnitt:

“Ich sehe das Land, dachte Fergus. Mit deinen Augen. Siedlungen, Rinder, Felder. Es ist kalt. Und irgendwo dort unten liegt der See. Wenn die Wolken wandern, kann man ihn gerade noch erkennen. Und es ist schön, eine Schönheit, an der man erst Gefallen finden muss. Eine Schönheit, die man erst im Laufe eines Lebens begreift.”

Siobhan Dowd (1960-2007) hat auch die Bücher Ein reiner Schrei und Der Junge, der sich in Luft auflöste geschrieben, die ebenfalls vorrätig sind. – Der Vorname spricht sich übrigens [ʃəˈvɔ:n].

Siobhan Dowd, Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort / Roman / Aus dem Englischen von Salah Naoura / 368 Seiten, gebunden / Carlsen Verlag, Hamburg 2009 / 14,90 EUR

Leo Perutz, Zwischen neun und neun

28. Dezember 2009

“Der mittellose Student Stanislaus Demba ist auf der Flucht, er irrt durch die Großstadt und sein rätselhaftes Benehmen lässt ihn von einer unmöglichen Situation in die nächste taumeln. Der kafkaeske Reigen Dembas geht quer durch die Wiener Gesellschaft, durch dunkle Gassen und Spelunken wie herrschaftliche Häuser. Weshalb aber werden die Menschen, auf die er trifft, für ihn immer mehr zu Schreckgespenstern? Was für ein Geheimnis umgibt ihn?
Zwischen neun und neun liest sich wie ein Abgesang auf eine Gesellschaftsform, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Anachronismus geworden war. Er beeindruckt durch seine apokalyptische Atmosphäre ebenso wie durch sein gewaltiges Erzähltempo.” (Verlagstext)

“Perutz ist der große magische Realist der deutschen Literatur. Er ist jemand, der im Grunde das macht, was Gabriel García Márquez und Jorge Luis Borges auch für sich entdeckt haben: nämlich, das Wunderbare, das Unbegreifliche und Magische mit – wie Márquez es nennt – unbewegtem Gesicht zu erzählen.” – Daniel Kehlmann

Leo Perutz, Zwischen neun und neun / Roman / Mit Illustrationen von Rasha El Sawiy / Herausgegeben, mit einem Nachwort und Anmerkungen von Thomas Bleitner / 260 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag / Matthes & Seitz, Berlin 2009 / 29,90 EUR

Ein Gedicht für Bücherfreunde

16. Dezember 2009

Books to the ceiling,
Books to the sky,
My pile of books is a mile high.
How I love them! How I need them!
I’ll have a long beard by the time I read them.
(Arnold Lobel)

Dies sandte mir eine Freundin heute zu. Zu schön, um es für mich zu behalten. urmeli